4. KinderBrandBrief an die liebe Frau Merkel, unsere Bundeskanzlerin

Von Michel aus Waase von der Insel Ummanz / Rügen, Merkels Wahlkreis

Hallo Frau Merkel,
Heute muß ich dir leider was ganz Trauriges erzählen. Bei uns sind nämlich alle Fische im Teich gestorben. Da sind wir hier alle ganz geknickt, das kannst du mir glauben. Papa sagt, der Fischteich sei „total umgekippt”. Das habe ich nicht verstanden, weil ich mir einen umgekippten Teich schon irgendwie anders vorgestellt habe, also mit auf dem Kopf und so… Und darum habe ich meinen großen Freund Bodan gefragt. Der war hier gerade mal wieder auf Urlaub und kennt sich total gut aus, mit so ziemlich allem, also auch Fischteichen und so.

Der Bodan hat mir sehr behutsam erklärt, daß wir selbst Schuld waren an der Teichsache. Weißt du liebe Frau Merkel, wir haben nämlich im Frühjahr eine Schlange dabei beobachtet, wie die einen großen Frosch freßen wollte. Glaubst du nicht? Na dann guck mal hier [1]. Da tat uns der Frosch ganz dolle leid und wir haben ihn vor der bösen Schlange gerettet. Dann haben wir die Schlange vertrieben und angefangen alle Frösche aus der ganzen Gegend zu unserem nun schlangensicheren Teich zu schaffen. Das war vielleicht eine Arbeit kann ich dir sagen. Anfangs hatten wir zwar den Eindruck, daß das den Fischen im Teich irgendwie nicht paßt, aber wer versteht schon das komische Geblubber der Fische… du vielleicht? Nee?! Na also!

Mit den vielen vielen Fröschen und keinen Schlangen mehr, die die freßen kam dann aber irgendwann eine Krankheit in den Teich. Bodan redete immer was von Pilz, aber ich kann dir versichern, daß da keine Pilze im Teich gewachsen sind. Meine Geschwister und ich, wir haben alles abgesucht und keine Pilze gefunden, ehrlich Frau Merkel. Trotzdem ist jetzt alles tot, die Molche, die Fische, die Schnecken… einfach alles. Der Teich stinkt auch total schlimm. Nur hier und da hocken noch ein paar Frösche herum, aber auch die sehen nicht mehr so richtig gut aus. Jedenfalls scheinen sie total miese Laune zu haben.

Und dabei haben wir Kinder uns so toll gefühlt, als wir all den Fröschen aus der Gegend gegen die bösen Schlangen geholfen haben. Ich konnte das gar nicht verstehen, wie kann etwas so derart schlecht ausgehen, wenn es sich doch so verdammt gut anfühlt.
Naja, am Ende hat mein großer Freund mir das erklärt.
Wenn man jemandem hilft, so wie wir den Fröschen geholfen haben, dann werden Glückshormone ausgeschüttet, Endorphine oder so… weißt du bestimmt beßer. Das gibt ein ganz wunderbares Gefühl und das Gefühl will man gleich nochmal haben. Ist sowas wie ´ne Sucht, sagt Bodan, also eine Krankheit. Da schaltet dann regelrecht das Hirn ab und man will immer nur wieder und wieder diese Hormone haben, den „Glücksjoint”… keine Ahnung was das nun wieder ist, klingt aber cool – irgendwie.

Na egal, die Leute, die diese Krankheit haben, die merken dann gar nicht mehr, was sie mit ihrer Helferei eigentlich ringsrum für einen Schaden anrichten. Noch viel schlimmer, die merken schon gar nicht mehr, daß es nicht sie sind, die helfen, sondern, daß sie ständig andere die eigentliche Arbeit leisten und die Opfer bringen laßen, die ihre vermeintliche gute Tat und Hilfe kostet. Das kann richtig schlimm werden, so ein hirnloses Rumgehelfe, das kann ich dir sagen… siehe unseren Fischteich. Bodan hat mir noch was Wichtiges verraten, nämlich, daß diese Krankheit auch ganz schlecht für normale Beziehungen ist. Das verstehe ich, denn als ich im letzten Sommer so verrückt auf‘s Fröschehelfen war, da habe ich auch meinen besten Freund, den Jan, total vernachläßigt. Zum Glück hat er mir das verziehen und tröstet mich jetzt wegen dem Teich. Ich kann dir sagen, das war nicht leicht da wieder rauszukommen, aus dieser Krankheitßache. Man verliert nämlich irgendwie total den überblick, konzentriert sich nur auf eine Sache. Bei uns waren das halt die armen Frösche. Wie bei einer echten Sucht, sieht man nur noch ein kleines bißchen vom Horizont vor sich. Links und rechts und oben und unten sind weg und damit kann man natürlich den Schaden auch nicht sehen, den man gerade mit seiner Hilfßuchtkrankheit anrichtet. Das ist, als sei man zu all dem Süchtigsein, nun auch noch blind und taub geworden. Was ich dann noch richtig schlimm fand war, daß die ganzen Tümpel wo wir die anderen Frösche hergeholt hatten um ihnen ein beßeres Leben ohne Schlangen zu geben auch alle nur noch vor sich hinsiechten und gar nicht gut außahen. Da haben wir, wie es scheint, mit unserem dummen Helfenwollen, überall ganz ganz viel Schaden angerichtet.

Was ich jetzt nicht verstehe und wo du mir mal weiterhelfen mußt ist nun Folgendes: Seit ein paar Tagen schachtet mein Vater den Keller aus. Er sagt, er baut da für mich und meine Geschwister ein Versteckt. Du weißt schon, so eines wie das die Anne Frank hatte, vor vielen Jahren. Das sei, weil wir blond und blauäugig und damit die Fische seien, die als erste dran glauben müßten. Das macht mir mächtig Angst, denn sonst ist gerade mein Papa eher der der sagt: „Kinder, wehrt Euch!” [2]. Wenn ich also Papa und Bodan richtig verstanden habe, dann sammelt ihr gerade wie die Bekloppten Frösche aus der ganzen Welt ein, ja? Weil ihr diese Krankheit habt, richtig?

Also ich kenne mich ja mit solchen Sachen nicht richtig aus, aber müßte wer krank ist nicht eigentlich ins Bett? Dich sehe ich aber noch ständig im Fernsehen und höre dich im Radio. Ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber das ist nicht gut, Frau Merkel, weder für dich noch für die Fische. Du mußt wirklich erst mal gesund werden, glaub es mir.

Mein großer Freund, der Bodan, hat mir übrigens ganz viel von der Anne Frank erzählt. Das sei ein ganz tapferes Mädchen gewesen, diese Anne. Leider war aber ihr Versteck nicht gut genug und dann haben Typen, die man Nazis nennt, sie umgebracht. Das finde ich furchtbar und ich kann nur hoffen, daß mein Papa das mit dem Keller für uns beßer organisiert bekommt.

Mein Papa ist es auch, der sich große Sorgen wegen meiner Briefe an dich macht, ebenso wie sein Kumpel, der Bodan. Beide meinen, daß man in diesem Land ganz schnell ein Nazi genannt wird, wenn man etwas gegen diese Hilfskrankheit sagt. Da sei es manchmal beßer die Fische krepieren und den Teich umkippen zu laßen, meinen sie und halten sich unheimlich zurück, damit sie ja keiner als Nazis beschimpft. Dabei ist das so ein Quatsch. Nehmen wir alleine mal den Bodan, also wenn der ein Nazi sein soll, dann wärest du ja schon eher das Sams. Glaubst du nicht? Na dann guck mal hier [3].

Meine Mutter hat mich gestern gefragt, ob ich das denn nun verstanden hätte mit der wahren Hilfe. „Klar”, habe ich gesagt, „wahre Hilfe hat immer das Ganze im Blick oder versucht es zumindest, wahre Hilfe kommt von dir selbst und wird nicht anderen aufgebürdet, wahre Hilfe gebraucht den Kopf und wahre Hilfe ist immer Nachhaltig auf ganzer Linie.”

„Super!” hat Mama da geantwortet und mich mit einem Eimer in der Hand die äpfel im Garten aufsammeln laßen. Schöner Mist aber auch. Macht schon echt Mühe, wenn man nicht mehr so dumm drauflos helfen darf.

Willst du nicht mal vorbeikommen, liebe Frau Merkel und mir ein bißchen mit den äpfeln helfen?

Kriegst auch glückliche, blaue Kinderaugen und ein total blondes Lächeln von mir… aber nur wenn du nicht die Flugbereitschaft der Bundeswehr zum Herkommen mißbrauchst oder am Ende deine Bodynauten die äppel aufklauben. Ach nee, da laß mal lieber… das wird doch nur Show und die äpfel liegen trotzdem noch im Gras.

[1] „Wie Stinkende Natter zu seinem Namen kam”, http://www.amazon.com/dp/B00EHLB3PY
[2] „Pädophilia - Kinder wehrt Euch!”, http://www.amazon.com/dp/B00EIQV7S6
[3] „Der Achte Tag - Holocaust und die großen Welträtsel”, http://www.amazon.com/dp/B015IVHE18
[4] „Grexit, Eurokrise und Flüchtlinge - Vom dummverkauften Souverän zum mitbestimmenden Bürger. Oder: Warum unsere Politiker versagen müssen, ja sogar versagen wollen”, www.amazon.com/dp/B0117KWE8W

 

Quellenverzeichnis

[1] „Wie Stinkende Natter zu seinem Namen kam”, http://www.amazon.com/dp/B00EHLB3PY
[2] „Pädophilia - Kinder wehrt Euch!”, http://www.amazon.com/dp/B00EIQV7S6
[3] „Der Achte Tag - Holocaust und die großen Welträtsel”, http://www.amazon.com/dp/B015IVHE18
[4] „Grexit, Eurokrise und Flüchtlinge - Vom dummverkauften Souverän zum mitbestimmenden Bürger. Oder: Warum unsere Politiker versagen müssen, ja sogar versagen wollen”, www.amazon.com/dp/B0117KWE8W

 

Aktion Vernünftige Schulzeiten auf Rügen

Bei Fragen rund um vernünftige Schulzeiten für die Kinder auf Rügen kontaktieren Sie uns bitte unter p.heuer@verlag-zumkranich.de.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden sie auch unter: www.elterninitiative-schulanfangszeiten.de